12 | Was gibt Hochsensiblen neue Energie? – Kraftquellen für Deinen Alltag

Wir sprechen oft darüber, was uns Kraft kostet.
Zu viele Reize.
Zu wenig Ruhe.
Erwartungen anderer.
Zeitdruck.
Ein voller Terminkalender.

Doch mindestens genauso wichtig ist eine andere Frage:

Was gibt Dir eigentlich Energie zurück?

Gerade als hochsensibler Mensch lohnt es sich, Deine persönlichen Kraftquellen gut zu kennen. Denn sie helfen Dir nicht nur dabei, Dich nach anstrengenden Tagen zu erholen. Sie können dazu beitragen, Deinen Alltag von vornherein so zu gestalten, dass Deine Energiereserven nicht ständig vollständig aufgebraucht werden.

Und das Schöne daran: Kraftquellen müssen weder groß noch außergewöhnlich sein.
Oft sind es die kleinen Dinge, die uns wieder bei uns ankommen lassen.

 

Nicht alles, was entspannt, gibt auch neue Energie

Vielleicht kennst Du das: Du bist erschöpft und möchtest einfach nur abschalten.
Also legst Du Dich aufs Sofa, schaust fern oder scrollst durch Dein Smartphone.

Das kann angenehm sein und für einen Moment ablenken.
Doch fühlst Du Dich danach tatsächlich erholter und kraftvoller?

Genau diese Frage ist entscheidend.

Denn zwischen Ablenkung, Entspannung und wirklicher Regeneration gibt es Unterschiede. Im Artikel „Warum Pausen manchmal nicht erholen – und was Dein Nervensystem wirklich braucht“ haben wir uns das bereits genauer angesehen.

Eine Kraftquelle erkennst Du deshalb nicht unbedingt daran, dass sie angenehm ist.

Sondern daran, wie Du Dich danach fühlst.

Ruhiger?
Klarer?
Lebendiger?
Mehr bei Dir?

Dann hast Du wahrscheinlich etwas gefunden, das Dir wirklich guttut.

 

Die Natur als Kraftquelle

Für viele hochsensible Menschen ist die Natur ein besonderer Rückzugs- und Regenerationsraum.

Im Wald gibt es ebenfalls Geräusche, Gerüche, Farben und Bewegung. Und trotzdem erleben viele Menschen diese Reize ganz anders als Straßenverkehr, Stimmengewirr oder künstliches Licht.

Vielleicht kennst Du das Gefühl, wenn Du einen Waldweg entlanggehst und nach einer Weile bemerkst:

Etwas in mir wird ruhiger.

Du musst dabei nichts Besonderes tun.
Du musst keinen bestimmten Weg gehen, keine Atemtechnik anwenden und auch keine vorgegebene Zeit im Wald verbringen.

Vielleicht bleibst Du einfach kurz stehen.
Du hörst die Blätter.
Spürst den Wind.
Siehst das Licht zwischen den Bäumen.
Und bist für einen Moment nur dort.

Auch ein Garten, ein See, ein Park oder ein paar Bäume vor Deinem Fenster können solche kleinen Naturmomente ermöglichen.


Stille kann nähren

Für manche Menschen fühlt sich Stille zunächst ungewohnt an.

Wir sind daran gewöhnt, dass ständig etwas läuft.
Radio beim Frühstück.
Podcast beim Autofahren.
Smartphone in der Pause.
Fernsehen am Abend.

Doch gerade wenn Dein Nervensystem bereits viele Eindrücke verarbeitet hat, kann Stille unglaublich wohltuend sein.

Nicht als Übung.
Nicht mit dem Anspruch, jetzt unbedingt entspannen zu müssen.
Sondern einfach als Raum, in dem für einen Moment nichts Neues hinzukommt.

Wenn Du merkst, dass Du nach einem Tag voller Menschen und Eindrücke ein starkes Bedürfnis nach Alleinsein hast, ist das ebenfalls nichts Ungewöhnliches. Im Artikel „Warum Rückzug für hochsensible Menschen gesund ist“ findest Du dazu mehr.

 

Auch die Sinne können Kraftquellen sein

Hochsensibilität bedeutet nicht nur, dass unangenehme Reize intensiver wahrgenommen werden.

Auch schöne Sinneseindrücke können besonders tief wirken.

Ein Duft, den Du liebst.
Das warme Licht einer Kerze.
Eine weiche Decke.
Eine bestimmte Musik.
Sonnenlicht auf der Haut.
Der Geschmack Deines Lieblingstees.
Ein schön gestalteter Raum.

Vielleicht liegt genau darin eine der besonders schönen Seiten der Hochsensibilität: Wenn Du fein wahrnimmst, kannst Du auch das Wohltuende sehr fein wahrnehmen.

Deshalb muss ein angenehmes Umfeld kein oberflächlicher Luxus sein.

Es kann ein Teil Deiner Selbstfürsorge sein.


Kreativität kann Energie zurückbringen

Manchmal brauchen wir nicht weniger Aktivität, sondern eine andere Art von Aktivität.

Malen.
Fotografieren.
Gärtnern.
Schreiben.
Kochen.
Handarbeiten.
Musik machen.
Etwas gestalten.

Kreative Tätigkeiten können einen Raum schaffen, in dem es nicht um Leistung oder Erwartungen geht, sondern darum, etwas entstehen zu lassen.

Entscheidend ist auch hier: Es muss kein Ergebnis dabei herauskommen.

Sobald aus der Kraftquelle wieder ein Anspruch wird – „Ich müsste das eigentlich viel besser können“ – kann sie ihre wohltuende Wirkung schnell verlieren.

Wenn Dir dieser Gedanke bekannt vorkommt, lies gerne noch einmal „Perfektionismus bei Hochsensiblen – wenn der eigene Anspruch zur Belastung wird“.


Menschen können ebenfalls Kraftquellen sein

Rückzug und Alleinsein sind nicht die einzigen Möglichkeiten, Energie zurückzugewinnen.

Auch Begegnungen können nähren.

Vielleicht gibt es Menschen, bei denen Du Dich nicht erklären musst.
Menschen, bei denen Du nicht darauf achtest, wie Du wirkst.
Menschen, mit denen Stille genauso angenehm ist wie ein Gespräch.

Nach einer solchen Begegnung fühlst Du Dich möglicherweise nicht erschöpft, sondern gestärkt.

Das zeigt etwas Wichtiges:
Nicht unbedingt Menschen an sich kosten Energie.

Oft sind es vielmehr bestimmte Situationen, Erwartungen oder die Anstrengung, sich anpassen zu müssen.
Eine wohltuende Verbindung kann deshalb eine ebenso wertvolle Kraftquelle sein wie Rückzug.

 

Dein Zuhause darf Dich unterstützen

Auch unsere Umgebung beeinflusst, wie wir uns fühlen.

Vielleicht kennst Du Räume, in denen Du sofort entspannter wirst – und andere, in denen Du Dich unruhig fühlst, obwohl Du gar nicht genau sagen kannst, warum.

Gerade für Menschen mit feiner Wahrnehmung können Licht, Farben, Ordnung, Materialien, Geräusche oder die Atmosphäre eines Raumes eine große Rolle spielen.

Dein Zuhause muss deshalb nicht perfekt eingerichtet sein.
Viel wichtiger ist die Frage:

Kann ich hier zur Ruhe kommen und mich wohlfühlen?

Manchmal verändern schon Kleinigkeiten etwas: eine aufgeräumte Ecke, eine Pflanze, angenehmes Licht oder ein Lieblingsplatz, der wirklich nur Dir gehört.

Und damit berühren wir ganz sanft ein Thema, das wir später noch ausführlicher betrachten werden: Feng Shui für Hochsensible.


Kleine Kraftquellen wirken auch im Alltag

Eine Kraftquelle muss nicht erst dann zum Einsatz kommen, wenn Du völlig erschöpft bist.

Vielleicht liegt darin sogar der wichtigste Gedanke dieses Artikels.

Statt:

 „Ich halte die Woche durch und erhole mich am Wochenende.“

könnte die Frage lauten:

„Wo kann ich heute etwas einbauen, das mir guttut?“

Das können fünf Minuten sein.

Eine Tasse Tee ohne Handy.
Ein kleiner Umweg durch den Park.
Das Lieblingslied im Auto.
Zehn Minuten auf dem Balkon.
Ein Telefonat mit einem Menschen, der Dir guttut.
Eine Kerze am Abend.

Solche Momente verändern vielleicht nicht Dein gesamtes Leben.

Aber sie verändern möglicherweise die Qualität Deines Tages.

Und genau deshalb können kleine Rituale so wertvoll sein. Mehr darüber findest Du im Artikel „Kleine Rituale für Hochsensible – wie sie Deinem Nervensystem Sicherheit geben“.

 

Erstelle Deine persönliche Kraftquellen-Liste

Wenn Du möchtest, nimm Dir ein Blatt Papier und schreibe nicht auf, was Hochsensiblen wahrscheinlich guttut. 
Schreibe auf, was Dir guttut.

Du kannst Dich dabei fragen:

Was beruhigt mich?
Was macht mich lebendig?
Wo kann ich wirklich ich selbst sein?
Bei welchen Menschen fühle ich mich wohl?
Welche Umgebung tut mir gut?
Was mache ich gerne, ohne dass dabei etwas herauskommen muss?

Und vielleicht die wichtigste Frage:

Wann habe ich mich zuletzt richtig wohl und bei mir gefühlt – und was war in diesem Moment anders?

Darin können sich erstaunlich viele Hinweise auf Deine persönlichen Kraftquellen verstecken.

 

Kraftquellen sind individuell

Vielleicht liebst Du den Wald.
Vielleicht überhaupt nicht.
Vielleicht regenerierst Du beim Alleinsein, während ein anderer Mensch Kraft aus Gemeinschaft zieht.
Vielleicht brauchst Du Bewegung.
Vielleicht Musik.
Vielleicht Kreativität.
Vielleicht Stille.

Hochsensibilität ist keine Anleitung dafür, wie Du leben solltest.
Sie kann vielmehr eine Einladung sein, feiner wahrzunehmen, was Dir entspricht.

Denn genau darin liegt auch eine Stärke Deiner Sensibilität:

Du kannst lernen, nicht nur früh zu bemerken, was Dir zu viel wird.
Sondern auch immer deutlicher wahrzunehmen, was Dir wirklich guttut.

  

Ein ruhiger Ausblick

Vielleicht musst Du Deinen Alltag gar nicht komplett verändern, um mehr Energie zu haben.
Vielleicht beginnt es damit, Deine Kraftquellen genauso ernst zu nehmen wie Deine Verpflichtungen.

Nicht erst, wenn nichts mehr geht.
Sondern mittendrin.
Ein paar Minuten Natur.
Ein vertrauter Mensch.
Ein schöner Duft.
Stille.
Kreativität.
Ein Ort, an dem Du gerne bist.
Oder etwas ganz anderes, das nur für Dich funktioniert.

Je besser Du Deine persönlichen Kraftquellen kennst, desto weniger geht es irgendwann darum, Dich ständig von Deinem Alltag erholen zu müssen.

Dann kann nach und nach ein Alltag entstehen, der selbst mehr von dem enthält, was Dich nährt.

 

Wenn Du tiefer einsteigen möchtest

Wenn Du herausfinden möchtest, was Dich stabilisiert, wie Du Überreizung früher wahrnehmen und Deine persönlichen Kraftquellen bewusster nutzen kannst, findest Du weitere Informationen in meinem Modul STABILITÄT – Raus aus Überreizung. Zurück in Deine Stabilität.